Goodbye, Valina! (deutsch)

Gemeinsam mit der Ankündigung eines neuen Tonträgers kündigen wir die letzten Konzerte und somit das Ende von Valina an.

Bis vor wenigen Monaten war ein solches Ende kein Thema in unserer Band. Zu sehr waren wir mit den Plänen für weitere Konzerte, Tourneen und den nächsten Tonträger beschäftigt. Zu groß war eigentlich auch unsere Euphorie nach der Albumveröffentlichung im Vorjahr und den anschließenden Konzerterlebnissen. Zu schön war auch die Vorstellung, dass wir manch Naturgesetzen trotzen könnten und noch lange als Band zusammenbleiben könnten. Not happening.

Zugegeben, bei einer Anzahl von rund 700 Konzerten wären aus persönlicher Sicht jetzt ein paar Zahlenspiele verlockend: wie viele Tankstellen haben wir weltweit nach Snacks durchstöbert? Wie oft haben wir dieses oder jenes Case in die Hand genommen und von A nach Bus verfrachtet? Wie viele Stunden saß Husbert im Zug von Wien nach Linz (und retour), um zu Proben bzw. Konzerten anzureisen?

Solche Art von letztlich unbedeutenden Fragen sind mir wahrscheinlich auch im Juni 2015 für den Bruchteil einer Sekunde durch den Kopf geschossen. Einer von uns tat nach Konzertende kund, dass ein uneingeschränktes „Auf Tour gehen“ zeitlich für ihn nicht mehr möglich sein wird. Darüber, was das bedeutet, waren wir uns einig. Eine Band mit eingeschränktem Aktionsradius wollten wir nie sein. Passt doch!, dachte ich mir, dann soll´s vorbei sein! Vorbei, was im Alter von 16 Jahren mit dem dringlichen Wunsch dreier Menschen begonnen hat, eine Band zu gründen, ihr einen Namen zu geben und trotz Mangel an musikalischen Fertigkeiten umgehend eigene Songs zu machen. Diesem einfachen Einstieg 1995 folgt nun also ein einfacher Ausstieg aus der Erzählung.

Dazwischen liegt unsere Geschichte. Jeder Versuch, jetzt anhand von chronologischen Daten oder einzelnen Anekdötchen einen Eindruck von dieser Geschichte zu geben, würde wahrscheinlich scheitern. Ohnehin ist es so: was sich zwischen Proberaum, Studio, Tourbus, Barhockern und Konzertbühnen an Spaß, Enttäuschung, Aufregung oder Langeweile abgespielt hat, mag lange Zeit das wichtigste in unserem Leben gewesen sein, für Außenstehende ist das wohl kaum von Interesse.

In der Zeitspanne von 20 Jahren haben wir eine Menge Leute kennengelernt. Viele davon haben uns auf die eine oder andere Art unterstützt. Ihnen gilt unser aufrichtiger Dank. Darunter befinden sich Labels (allen voran unser Hauslabel Trost Records), Booker, Agenturen, Medienleute, Clubs, Kulturvereine, Konzertkollektive und auch ein Haufen an Bands, mit denen wir die Bühne und unser Schlagzeug geteilt haben. Mit vielen von ihnen verbinden wir eine Freundschaft, yeah.

Erwähnenswert erscheinen mir heute auch die vielen anonymen Personen, die vor der Bühne oder vor ihren Plattenspielern ebenfalls zu einem Teil unserer Geschichte geworden sind. Ich habe live oft in ihre Gesichter gesehen, habe versucht an diesen die Stimmung im Raum abzulesen und habe sie nachher am Plattenstand vielleicht wieder gesehen. Oder sie saßen dann schon an der Bar, nicht unweit von Phil, unserem treuen Tontechniker. Oder sie sind bei Claus bzw. Anselm gestanden, den Stars in der Band. Oder ich hab sie gar nicht mehr gesehen. Macht nichts.

Dass unsere Musik keine Massen angezogen hat, sondern mancherorts höchstens Mengen, liegt in der Natur der Sache. Die Haltung, die wir an den Tag und an die Songs gelegt haben, hat uns letztlich aber dorthin gebracht, wo wir uns irgendwann mal hingeträumt haben. Dabei mussten wir uns relativ wenig darum scheren, wie das alles beim Rest der Welt ankommt. Und dennoch hat uns dieser Rest der Welt stets interessiert und mitbeeinflusst. So haben wir auch unsere Szene nie als losgelöste Insel verstanden, sondern als wandlungsfähige, öffentliche Sphäre – mit ganz unterschiedlichen und wechselnden Akteur/innen. Und egal für welche Art von Musik ihr Herz geschlagen hat oder heute schlägt, ihnen allen ist wahrscheinlich gemein, dass sie sich an den Rändern der Popkultur etwas suchen, Freiräume schaffen und selbst gestalten wollen, wenn rundherum zu wenig Platz für sie herrscht. Wir haben diese Szene jedenfalls meistens als spannend empfunden, die Leute in ihrer Eigenart oft als inspirierend und darüber hinaus als solidarisch erlebt.
Tja, und der Rest war Punk Rock: exzessiv, trashig und eine Riesengaudi.

Manche von uns werden dorthin zurückkommen. In ein paar Wochen spielen wir zunächst aber unsere letzten Shows. Im Gepäck haben wir dann auch unseren letzten Tonträger. Eine limitierte EP mit sechs neuen Songs und einem Namen: in position.
Danach ist Valina Geschichte.
Wir grüßen alle, die irgendwie ein Teil davon waren!

Anatol Bogendorfer

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VALINA

played their last show on
Jan 23rd 2016